Lobbying

Als der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels e.V. (BGA) bei seiner Jahrespressekonferenz zur Verkehrspolitik am 5. August 2004 der Öffentlichkeit das Europäische Modulare System (EMS) zur Bewältigung des Verkehrswachstums vorstellte, war eine Welle der Empörung die Folge. Von „Monstertrucks”, „realitätsfernen Vorstellungen des BGA” und „lobbyistischem Wahnsinn” war die Rede. Der Groß- und Außenhandel schien mit seinen Vorschlägen isoliert zu sein. Dies hat sich mittlerweile geändert.

Heute, über drei Jahre später, gibt es die ersten Sondergenehmigungen für die 25,25 Meter langen EuroCombi in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Pünktlich zur IAA Nutzfahrzeugmesse 2006 in Hannover hat sich auch die Nutzfahrzeugindustrie geschlossen hinter das modulare System gestellt und präsentierte insgesamt sechs dieser Fahrzeuge einschließlich Probefahrten.

Die anfängliche Behauptung des Bundesverkehrsministeriums, die Brücken würden diese bis zu 60 Tonnen schweren Lkw nicht tragen, hat sich mittlerweile als haltlos erwiesen. In einer Zeitungsnotiz der Zeitung „Die Welt” vom 22. September 2006 wird die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) mit dem Hinweis zitiert, dass nicht "mit einer anwachsenden Schädigung infolge einer Einführung von 60-Tonnern" zu rechnen sei.

Was aber hat der Groß- und Außenhandel gemacht, um so rasch ein Thema auf die politische Agenda zu setzen, obgleich die Politik die Auseinandersetzung mit dieser Frage nicht selbst wählen wollte?

Für die Idee der 60 Tonnen Lkw wurde mit Argumenten geworben und für sachkundige Klärung der zahlreichen offenen Fragen gesorgt.

Hierbei hat der BGA einen intensiven Informationsaustausch mit Volvo Truck Corporation in Schweden, dem Fahrzeugwerk Bernard Krone in Deutschland sowie dem holländischen Verkehrs-/Transportministerium und dem holländischen Transportverband TLN geführt.

Gleichzeitig wurden von Anfang an intensive Informationsgespräche mit dem ADAC, den Wirtschafts- und Transportverbänden BDI, BGL, DIHK und DSLV geführt.

Ebenso suchte der BGA den Dialog mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Bundesumweltministerium. Abgeordnete des Bundestages aller Parteien sowie die Landesverkehrsminister wurden regelmäßig über Erkenntnisse zum EuroCombi in teilweise persönlichen Gesprächen informiert.

Schließlich wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Verkehrszeitung sowie den Firmen Scania und Krone im Sommer 2005 in Berlin eine Abendveranstaltung zum EuroCombi durchgeführt. Im April 2005 fand eine Testfahrt mit dem EuroCombi in Schweden auf der Teststrecke von Volvo Truck Corporation statt.

Und welche Motivation leitet dabei den BGA?

Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels beauftragen in Deutschland rund zwei Drittel aller Transporte oder führen diese selbst durch. Der BGA hat als Vertreter der Verladerseite die Diskussion angestoßen, weil wir unsere Gütertransporte sowohl mit dem Lkw als auch auf der Schiene und Binnenwasserstraße realisiert sehen. Wir wissen am besten, dass das Miteinander unterschiedlicher Verkehrsträger nur dann realistisch ist, wenn jeder Verkehrsträger seine optimalen Stärken ausnutzen kann. Im Bereich der Straße begegnen wir im Zeitalter rasant wachsender Verkehrsströme Restriktionen, die die Lieferung von Waren und Dienstleistungen unnötig erschweren.

Zudem liegen die Vorteile auf der Hand, denn durch den Einsatz dieses effizienten Systems können zwei 60-Tonnen-Lkw drei herkömmliche 40-Tonner ersetzen. Das spart 20 Prozent Sprit je transportierte Tonne. Zudem kann die Schadstoffemission um ebenfalls 20 Prozent gesenkt werden. Lastzugkombinationen mit 25,25 Meter Länge und 60 Tonnen Gesamtgewicht verringern den Bedarf an Verkehrsfläche um 25 Prozent. Das modulare System hilft also, mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen:

  1. deutliche Reduzierung der CO2-Emission im Transportsektor,
  2. Stärkung der Unternehmen durch höhere Kosten- und Transporteffizienz,
  3. Reduktion von Staus und Überlastung der Straßen, durch de facto zahlenmäßig weniger Lkw.
  4. Schließlich ist das Europäische Modulare System (EMS) im Vergleich zum Ausbau der Infrastruktur die rasch umsetzbare Alternative zum Auffangen des prognostizierten Güterverkehrswachstums.