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Mit dem Beitritt Schwedens und Finnlands im Jahr 1995 in die Europäische Union (EU) war es erforderlich, Maße und Gewichte von Lkw zu harmonisieren. In beiden Ländern sind seit 1970 Lkw-Kombinationen mit 24 Meter Länge und einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen erlaubt. Ein Kompromiss sollte eine zukunftsweisende Lösung bringen.

In der EU-Richtlinie 96/53/EG wurden fortan Maße und Gewichte für Anhänger, Auflieger und Lkw definiert, wobei Artikel 4 jedem Mitgliedstaat der EU den Weg eröffnet, diese Standardanhänger so miteinander zu kombinierten (modulares Konzept), dass skandinavische Kombinationen mit einer Länge von 25,25 Metern und 60 Tonnen Gesamtgewicht möglich sind.

Als erste Nation haben die Niederlande in einem Großversuch, der im November 2006 endete und aufgrund seiner Erfolge um ein weiteres Jahr verlängert wurde, auf dem gesamten Autobahnnetz den Einsatz der 25,25 Meter langen Kombinationen erlaubt. Der Versuch verlief ohne Komplikationen. Die Verlängerung soll nun genutzt werden, um eine generelle Zulassung des Systems vorzubereiten.

Wie die Auswertung des Pilotprojektes u.a. zeigte, hatten derartige Lkw-Kombinationen die Straßensicherheit nicht gemindert. Schließlich war Sicherheitsaspekten eine besondere Rolle im Zuge der Testphase zugeschrieben worden. Ein besonderes Augenmerk war auf die Auswahl der Fahrer gelegt worden. Sie mussten mindestens fünf Jahre den Führerschein besitzen, durften in den letzten drei Jahren keinen Unfall verursacht haben und mussten sich einem besonderen Fahrertraining unterziehen. Als Sicherheitsmaßnahme wurden die Lkw mit Tote-Winkel-Spiegeln oder Kameras ausgestattet und an das Ende des Fahrzeugs ein Warnhinweis mit der Lkw-Länge angebracht. Reflektierenden Konturstreifen sowie geschlossene Seitenverkleidungen gehören zur Sicherheitsausstattung der EuroCombi.

Auch Dänemark zeigt Interesse. Im Rahmen der Modernisierung der dänischen Verkehrswege bis zum Jahr 2011 werden nach einer Entscheidung des dänischen Abgeordnetenhauses vom Oktober 2006 im Laufe von zwei Jahren die baulichen Vorrausetzungen für einen umfangreichen Feldversuch für den EuroCombi geschaffen. Von 2008 bis 2011 ist dann ein Feldversuch mit 25,25 Meter langen und mit bis zu 60 Tonnen schweren Lkw geplant. Die EuroCombi werden auf Autobahnen verkehren und die wichtigsten Häfen des Landes verbinden.

In Deutschland fällt es der Bundesregierung immer noch schwer, den Startschuss für einen nationalen Großversuch zu geben. Gleichwohl rollen die ersten Fahrzeuge – Dank der Initiative einzelner Bundesländer. Vorreiter war Nordrhein-Westfalen (September 2005), das in niederländischer Grenznähe per Sondergenehmigung zwei ausgewählte Strecken freigab. Zudem erteilten Niedersachsen (Juli 2006) und Baden-Württemberg (September 2006) für ausgesuchte Routen die Ausnahmegenehmigung. In Bremen ist übrigens schon seit 2004 ein 66-(!)Tonner – im innerstädtischen (!) Verkehr – im Einsatz, und zwar für eine Kaffeerösterei auf einer 25 Kilometer langen Strecke zwischen dem Hafen und dem Sitz des Unternehmens. Und auch im Hamburger Hafen verkehren schon seit 2004 Lkw-Kombinationen von sogar 46 Meter Länge. Ein Hafenunternehmen setzt für Containertransporte – auch über zwei Kilometer öffentliche Straße – Multitrailersysteme nach Vorbild des Europäischen Modularen Systems (EMS) ein.

Das Europäische Modulare System (EMS)

Herausforderung Güterwachstum

Rund 70 Prozent der Güterverkehrsleistung werden heute mit dem Lkw erledigt. Für die Bahn sind es rund 17 Prozent und für die Binnenschifffahrt etwa 13 Prozent. Studien und eigene Berechnungen zeigen, dass bis zum Jahr 2015 mit einem Güterverkehrswachstum von 2,5 Mrd. Tonnen (Basis 1997) zu rechnen ist.

Wenn es bis 2015 gelingt, von diesen prognostizierten 2,5 Mrd. Tonnen etwa 500 Mio. Tonnen auf Bahn und Binnenschiff zu bringen, dann wäre viel erreicht. Denn damit hätte sich deren heutige Tonnage verdoppelt. Doch es bleiben in diesem Idealfall noch zwei Mrd. Tonnen Güter übrig – und die werden zwangsläufig über die Straße transportiert.

Bereits heute jedoch sind die Straßen verstopft, so dass das prognostizierte Verkehrswachstum dazu führen wird, dass dort, wo heute drei Lkw unterwegs sind, in zehn Jahren fünf Lkw auf der Straße fahren werden. Doch selbst im Falle ausreichender Finanzmittel für den Straßenbau würden Planfeststellungsverfahren sowie Bauzeit rund 15 Jahre beanspruchen. Bis dahin hat uns das Verkehrswachstum überrollt.

Auch vor diesem Hintergrund hat das Bundesverkehrsministerium die Erstellung eines "Masterplans Güterverkehr" ins Leben gerufen, um die Effizienzauslastung vorhandener Ressourcen durch moderne Technologien zu erhöhen. Hier erweist sich das Europäische Modulare System (EMS) als die rasch umsetzbare Alternative.

Wie funktioniert das EMS?

Drei heute übliche Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 40 Tonnen und einer Länge von 16,5 bzw. 18,75 Metern lassen sich durch geringe technische Veränderungen zu zwei Lkw-Kombinationen mit einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen und einer Länge von 25,25 Metern konfigurieren. Das modulare Konzept laut EU-Richtline 96/53 gibt allerdings keine Maximallängen und -gewichte vor. Somit sind auch Roadtrains mit einer Länge von 31 Metern zumindest vorstellbar.

In der konkreten Umsetzung ergeben sich zwei Möglichkeiten: Es kann ein Sattelauflieger mittels einer "Dollyachse" an einen Motorwagen angekoppelt werden (rot-gelbe Kombination), oder es wird mittels eines Extra-Kupplungsblocks an einen Sattelauflieger ein herkömmlicher Tandemanhänger gekoppelt (blau-grüne Kombination).

Das modulare Konzept erlaubt die flexible Anpassung der Fahrzeuge an die zur Verfügung stehende Infrastruktur. In Innenstädten machen 25,25 Meter lange Fahrzeug-Kombinationen wenig Sinn. Ihre Stärke liegt in der Langstrecke auf der Autobahn und im Nahverkehr zwischen Gewerbezentren und Hafengebieten.

Auf der langen Strecke können also spritsparende Großraum-Lkw eingesetzt werden, während für die Verteilung kleinere Einheiten zum Einsatz kommen. In Gewerbe- und Hafengebieten kann mehr Ladung auf weniger Lkw umgesetzt und so die schon heute sehr hohe Lkw-Dichte reduziert werden.